Meine erste WM: 3. und letzter Teil

Dritter Teil meines Berichts über meine Erfahrungen bei der WM in Offida. Den zweiten Teil gibts hier, den ersten hier …

Es geht weiter mit Freitag, dem Tag des Zeitfahrens:

Als ich mir meine Gedanken gemacht hatte, ging ich noch mal duschen, ich hab ja schließlich zuvor nur die Wunden gereinigt und nicht mich! Dann gab es auch schon Mittagessen … Kohlenhydrate, so wie immer!
Um 15:30 Uhr war dann Massage angesagt, nicht so einfach, wenn man nur das halbe Bein massieren kann, aber Hardi (wird er eigentlich mit i oder mit y geschrieben??) wäre nicht Hardi, wenn er das nicht auch schaffen würde. So verlebten wir also unseren Tag und am Abend nach dem Abendessen (es gab Kohlenhydrate) holten uns die Jungs ab zum Fernsehen gucken …
Es wurde etwas übertragen von den Weltmeisterschaften … eigentlich um 21:30Uhr … aber zuvor kam Tennis und diese Partie dauerte noch 1:30 Stunde länger. Tapfer warteten Sarah-Lena und ich auf den Beitrag.

Viel zu spät gingen wir ins Bett. Sarah-Lena hatte sich bei ihrem Sturz schmerzhaft die Hand verletzt und deshalb konnte sie gut schlafen – nicht wegen der Verletzung, sondern wegen der Dröhnung an Schmerztabletten. Ich konnte noch weniger gut schlafen, als in den Nächten davor … also stand ich um 6:30 Uhr auf und ging nach unten ins Foyer, wo ich der Hotelmutti beim Frühstück machen zuschaute. Und so verging auch noch die letzte Stunde bis zum Frühstück!

„Boah … wie siehts denn bei euch aus …!“

Um 10:00 Uhr ging es wieder auf die Räder, Berg runter, Stückchen geradeaus und da war schon die Rennstrecke, da mussten wir dann doch noch einen Berg rauf … schlimmer Berg … kein einziger Baum, der Schatten geben könnte und ewig lang (es waren nur 3 Kilometer, aber trotzdem …)
Nachdem wir zwei mal die Strecke abgefahren sind mussten die anderen drei Mädeln noch ihre Vorbelastungen fahren, dazu ging es wieder runter ins Tal. Sarah-Lena und ich hatten genug Vorbelastung am Vortag (irgendwie Blödsinn, Vorbelastung am Vortag…)
Grundi hatte uns mit dem Auto begleitet, der  Herr Liese und der Hardi mit dem Rad … jetzt standen wir vor dem Anstieg … wir waren sieben Leute mit Rad, einer mit Auto und das Auto war noch für vier frei … also mussten der Herr Liese und der Hardy den Berg mit dem Rad hoch. Nein, ich empfinde keine Schadenfreude … na ja egal.
Ein bisschen überladen (zu sechst) fuhren wir im Auto den Berg hoch. Nachdem wir geduscht hatten kamen auch Hardi und Herr Liese am Hotel an.

Nach dem Mittagessen gab es wieder eine Massage … diesmal entschied ich mich für den Rücken … mein Nacken war sehr verspannt von dem Sturz …ich verkrampf mich immer so beim Stürzen … das ist noch verbesserungswürdig! Tja … als Sarah-Lena bei der Massage war, ratzte ich grad schön auf meinem Bett … dann stürmte auf einmal der Vize-Weltmeister in unser Zimmer, er wolle bei uns ins Internet (wieso grad bei uns wusste ich auch nicht … aber ich war so verpennt, dass ich mir darüber gar keine Gedanken machen konnte …). Aber bevor er sein Netbook öffnete führten wir noch eine kleine Konversation über unsere „Ordnung“:
Jascha Sütterlin: „Boah … wie siehts denn bei euch aus …!“
Ich: „Ha geil, ne?“
Tja und da schlief ich auch schon wieder.

Irgendwann stürmte er wie besessen wieder aus dem Zimmer raus … und genauso schnell kam er wieder rein, er habe sein Handtuch vergessen und da war er wieder wech! Ich grüble heute noch über den Sinn!

Am Abend gab es Abendessen, wie passend!

Vom Doc ließen wir uns noch vor dem Schlafengehen verarzten … mir packte er so eine schrecklich Frischhaltefolie auf meinen Unterschenkel … ich hielt es keine 20 Minuten aus … das hat sooo gebrannt, also ging die inzwischen verweichlichte Mieke noch mal zum Doc und ich bekam so ein lustiges Schaumstoffpflaster und Schlaftabletten! In der Nacht hab ich sooo schön geschlafen, unglaublich … nur leider wurde ich morgens wieder von dem quietschenden Müllauto wach … schon blöd!

Sonntag

Als wir am Morgen aufstanden, herrschte völliges Gefühlschaos … mal war man ganz entspannt, im nächsten Moment wieder völlig aufgeregt. Nach dem Frühstück ging es los zur Rennstrecke, dort angekommen brachte ich kein Wort mehr raus, außer ein Bonjorno (ich hab keine Ahnung wie das geschrieben wird!) zu einem Kameramann, der mich auf der Rolle filmte … ich hab die Szene nie im Fernsehen sehen können … schade!
Irgendwann (ich weiß nicht mehr ob vor dem Rollenprogramm oder nach dem Rollenprogramm … so verwirrt war ich!) mussten wir zur Mannschaftsvorstellung, dort mussten wir uns einschreiben auf einer Riesentafel … mein Kästchen war gaaaaanz unten!
Nach der Übersetzungskontrolle war auch schon die Startaufstellung, die Zeit in der man da am Start steht, ist die schlimmste … vor allem wenn Sarah-Lena aufeinmal sagt: „Hier, halt mal grad mein Rad“ und verschwindet, zwei Minuten vor dem Start … das macht einer Mieke unnötig Stress!Armes Putt Putt!

Jetzt ganz schnell zum Rennverlauf:

Runde 1:
Start
Lisa Poller stürzt in der Abfahrt, kommt aber wieder ran
Lisa Fischer stürzt oben auf dem Berg…tut sich nichts!

Runde 2:
Feld geschlossen

Runde 3:
Erste Attacken am Berg
Lisa Poller und ich fahren wieder ran
Feld geschlossen

Runde 4:
Am Berg entsteht die Spitzengruppe
Lisa Poller und ich haben unsere Arbeit getan!

Runde 5:
Es entsteht eine Gruppe, in der Lisa Poller und ich sind, die bis zum Ziel zusammenbleibt.

Wie ich später erfuhr, war Sarah-Lena die ganze Zeit in der Spitzengruppe, musste bei der letzten Attacke aber abreißen lassen und wurde grandiose Sechste! Lisa Fischer wurde Dreizehnte, auch nicht schlecht! (klingt ‘nen bisschen negativ, oder? Also, hast du gut gemacht Lisa!!!)
Ich wurde 26ste und Lisa Poller, lass mich überlegen … 26 plus zwei hinter mir … 29ste!
Glaub ich!
Ich finde wir haben ‘nen guten Job gemacht!
Direkt nach den Rennen fuhren wir uns die Beine aus, auf dem Weg zum Hotel! Den Berg mussten wir natürlich nicht hoch, Gott sei Dank!

Wenn ich so überlege, bin ich den Berg kein einziges Mal aus eigener Kraft hochgefahren …!
Im Hotel gab es dann noch Mittagessen, bis wir (Charlotte Bock, Lisa Poller und ich) um 15:00 Uhr zum Flughafen mussten. Hardi düste also, nachdem wir uns vom Bundestrainer, Lisa Fischer und Sarah-Lena verabschiedet hatten, mit 150 km/h barfuss über die Autobahn … und schwupps waren wir schon in Ancona, wo der kleine Flughafen war! Direkt nach der Ankunft gaben wir unser Gepäck auf … zum Glück war mein Koffer nicht zu schwer … ich kam mit 17 Kilogramm und ging mit 19 Kilogramm … von den 17 Kilogramm brauchte ich allerdings nur drei Kilogramm … ich konnte ja nicht wissen, dass Grundi ‘ne Waschmaschine dabei hatte!
Wegen meines Beines konnte ich nicht so lange stehen… erstens weil ich verweichlicht war, und zweitens weil das ganze Blut mir in die Beine lief und das tat sehr weh!

Stewardessen: überaus hochmotiviert und mega freundlich

Als wir endlich im Flieger saßen konnten wir nicht abfliegen, wegen einer Gewitterfront in München … kommt mir irgendwie bekannt vor! Irgendwann waren wir endlich in der Luft und wer hätte es gedacht, die Stewardessen waren wieder mal überaus hochmotiviert und mega freundlich. Zum Glück hatte mein zweiter Flieger (er kam von irgendwo, landete in München und flog weiter) auch Verspätung, sodass ich keine Nacht in München verbringen musste! Wäre zwar schön gewesen, nochmal ins Luxushotel, aber Mutti  war schon auf dem Weg nach Frankfurt. Der Flieger von Lisa Poller wartete extra auf sie. Nachdem sie dann drei mal aufgerufen wurde, fand sie auch das richtige Gate!
Ich musste noch warten, weil mein Flugzeug noch geputzt werden musste … oder so etwas in der Richtung! Mit einer Stunde Verspätung konnte ich endlich einsteigen. Jetzt gab es wieder wirklich freundliche Stewardessen, das hob meine Stimmung ungemein, sodass ich sogar den Atem eines schlafenden Mannes auf meinem Arm ertragen konnte. Es war nicht einfach, aber ich konnte mich beherrschen. Glück für den Mann.

Als wir landeten, mussten wir irgendwie noch lange im Flugzeug ausharren. Ich harrte noch ein bisschen länger aus als alle anderen Fluggäste (ich telefonierte) und es stiegen bereits die Reinigungskräfte ein, um das Flugzeug von Müll zu befreien … ich saß immer noch in meinem Sitz und die hätten mich glatt in einen Müllsack gepackt, aber sie ließen mich dann doch gehen.
In Frankfurt wartete schon die Mutti auf mich, um mich nach Hause zu fahren … liebe Mutti!

Tja im Auto passierte nicht mehr viel … ich hab nämlich geschlafen, wie ein Steinchen!
So, das war’s!

Meine erste WM: Teil 2

Zweiter Teil meines Berichts über meine Erfahrungen bei der WM in Offida. Den ersten Teil gibts hier …

Am Morgen wurden wir unsanft von einem Gewitter geweckt.

Unser Hotel lag ja mitten auf dem Berg und so waren wir mitten in einer Wolke … Die Fenster waren nur einfach verglast, sodass nach jedem lauten Donnern die Scheibe vibrierte.
Ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen, aber Sarah-Lena meinte, dass sie alles nur am Rande mitbekommen hätte! Komisch, sonst schlafe ich immer wie ein Steinchen … .

Um 8:30 Uhr gab es Frühstück und bald machten wir uns schon auf zur nächsten Trainingseinheit. Einmal Berg runter und wieder rauf zur Zeitfahrstrecke.
Als wir in Offida ankamen, konnte ich mir immer noch keine Kurve merken.

Tja und dann fuhren wir wieder runter ins Tal. Am Anstieg zum Hotel angekommen, ließen wir uns an der B-Säule hochziehen (was man bei einer WM alles lernt … die Säulen des Autos … bemerkenswert!). Mit einem dreißiger Schnitt ging es bergauf – alles Training! ;-)
Oben angekommen, merkte man, dass das Hochziehen mindestens genauso anstrengend war, wie das Hochfahren, nur in den weiter oben angesiedelten Gliedmaßen (den Armen!).

Nach dem Mittagessen (es gab, wie jeden Tag, Kohlenhydrate satt!) ging es wieder zur Massage, diesmal in der Werkstatt (ein alter Tanzsaal) von Grundi, dem Mechaniker, dort war es einfach zu schön!
Tja … und so verbummelten wir schön entspannt den Mittwoch!

Italienische Verhältnisse und deutschsprechende Polizisten

Die Nacht war zwar nicht von Gewitterdonner geprägt, aber von einem Müllauto, das schlaftötend quietschte.
Als wir aufstanden, war die Aufregung direkt groß: „uuuuaaahh, morgen ist der Tag, auf den ich soo lange gewartet habe“ – verrückt, oder?
Beim Frühstück trafen wir auch gleich auf Lisa Poller, Charlotte Bock und Lisa Fischer, die in der Nacht angekommen waren. Immer noch war unklar, wann die Zeitfahrstrecke komplett abgeriegelt ist, um mal die Ideallinie zu testen …
Also schlichen wir wieder aus dem Zimmer und warteten. Nach einer halben Stunde warteten wir immer noch und nach einer weiteren halben Stunde rief Herr Liese von der Leitersitzung an, wir sollten uns doch sofort aufmachen zur Zeitfahrstrecke, die Strecke sei nur noch bis 12:00 Uhr gesperrt.
Also sprangen wir schnell zu Grundi ins Auto, der mit uns zur Strecke fuhr. Kurz vor Aquaviva mussten wir ein Stück auf der abgesperrten Strecke entgegen der Fahrtrichtung fahren … eigentlich nicht möglich … die Strecke war ja abgesperrt … aber Italiener nehmens’ nicht so genau und wenn man einfach, als wenn nichts wäre, auf die Strecke abbiegt, sagt keiner was, gucken nur alle wie die Autos! In Aquaviva angekommen, stiegen wir schnell auf die Räder und Grundi machte seine Erfahrungen mit einem italienischen Polizisten:

Grundi: „So, komm, jetzt mach ma wech da…“ (er wollte wenden)
Polizist: „Kann ich ihnen helfen?“ (dieser Herr war der deutschen Sprache mächtig!)
Grundi: „Nönö, ich äähhm, ich will nur wenden …“

Leider konnte jetzt theoretisch hinter jeder Kurve ein Auto kommen, in dem Leute wie wir saßen, die sich so durchgemogelt hatten … also musste Grundi mit dem Auto vorfahren, sein Lebens aufs Spiel setzen und hupen, falls da etwas auf der Ideallinie entgegenkam! Es kam auch was, aber Grundi hat nicht gehupt! Uns ist nichts passiert …
Drei Kilometer vor Offida fuhr  ich dann meine erste EB …da hatte ich mir aber ein schön hügliges Stückchen ausgesucht!

In Offida trafen wir auf Thomas Liese, der fuhr dann noch mal mit uns nach Aquaviva, wieder auf der abgesperrten Zeitfahrstrecke …wir sind halt in Italien!
Noch einmal fuhren wir die Strecke ab, wenigstens konnte ich mir jetzt schon die gefährlichsten Kurven merken … half mir dann ja im Wettkampf aber auch nichts! Es gab anschließend noch ein bisschen Motortraining im Tal bevor es (im Auto) wieder zum Hotel ging. Nach dem Mittagessen hieß es dann wieder einmal faulenzen und Massage … wunderbar!
Tja und dann gab es das letzte Abendessen vor dem großen Tag und jeder ging so seiner Wege. Ich ins Bett!

Oh Mann Oh Mann, was war ich aufgeregt … ich träumte verrückte Dinge, die alle was mit dem Wettkampf zu tun hatten!

FREITAG 6. AUGUST

Um 8:00 Uhr gab es Frühstück, ich bekam kaum was runter. Warum nur? Als wir um 9:20 Uhr in Aquaviva ankamen, hatten Grundi und Hardi (der Physio) schon ein Plätzchen reserviert, auf dem wir uns in aller Ruhe  vorbereiten konnten.
— Ich werde schon wieder ganz unruhig, wenn ich an den Tag denke … —
Um 11:22 Uhr war mein Start, Sarah-Lena war bereits um 11:04 Uhr gestartet …

Tja, und da fuhr ich also schön, wie geübt die Ideallinie, ich sah die erste gefährlich Kurve, fuhr nach außen, bremste an, ging in die Kurve und im nächsten Moment lag ich im Gras und schrie:„Sch****!!!“, im nächsten Moment stand ich dann irgendwie wieder über meinem Rad und schrie:„Sch*****!!! … Die Kette ist ab! Die Kette ist ab! Die Keetteee iist aaaabb!!!“, der Mechaniker sagte nur noch, ich solle mich doch konzentrieren … und dann fuhr ich auch schon wieder …!

Auf meinem Auflieger konnte ich nicht mehr richtig liegen, weil die Schale für den Arm verschoben war, also fuhr ich so halb liegend weiter … Langsam hörte ich vor mir eine Lautsprecherstimme und kurz danach hatte ich immer wieder eine Belgierin vor mir, fast hätte ich sie noch gekriegt, aber dann war da schon das Ziel!
Heulend fuhr ich irgendwo hin und wartete auf einen Betreuer … Herr Liese kam und sagte nur:„Sch****!“, denn Sarah-Lena war, wie ich erfuhr, in der selben Kurve gestürzt.
In der Box wurde ich dann erst mal vom Doc versorgt und kurz danach fuhr ich schon zum Hotel. Sarah-Lena war schon mit dem Rad vorgefahren – Beine ausfahren – am Anstieg luden wir sie doch noch ein und fuhren hoch.
Dort angekommen mussten wir duschen, nicht der Hygiene wegen, sondern um die Wunden auszuspülen. Ich machte wohl einige lustige Brummgeräusche, während das Wasser über meine Wunden lief.

Nach dem Duschen musste ich noch mal auf die Rolle, schließlich war am Sonntag das Straßenrennen und meine Beine sollten zumindest etwas frisch sein. Es machte zwar keinen Spaß, aber man konnte sich in aller Ruhe seine Gedanken machen.

<to be continued>

 

Meine erste WM

So, so, so, da bin ich also wieder im kalten Deutschland.

In Italien bin ich um ein paar Blessuren, ein paar Erfahrungen, was internationale Wettkämpfe angeht und gleich zwei Einteiler reicher geworden!

Angefangen hat alles mit einem spaßigen Erlebnis in München

 

Abenteuer Luftfahrt

Unser (Sarah-Lena und ich) Flieger vom Typ A320 konnte in Frankfurt nicht abfliegen, weil er sonst in München wegen einer Gewitterfront nicht hätte landen können.

Als wir im Flugzeug saßen, aber leider noch nicht den Boden verlassen hatten, konnte man sich super über das Englisch eines Stewards beäumeln: „Läidies äänd Dschäntelmän, we, dse team of dsis flait, wut laik to apolodschaiß for dse (dschdschrrrdschdsch … dsch) … konsekuenzes, witsch grew aut of dsis delay for ju. (dschdschgrrrdsch … dsch grrr) … wail we ar waiting fot dse allauenz to start, we will bring ju sam drinks for refresching. (dschdsch … rgggdsc. schd grr …)

Na ja, als wir dann endlich starten konnten, hatten wir schon eine Verspätung von 40 Minuten. InMünchen hatten wir aber nur 35 Minuten zum Umsteigen. Wenn man jetzt schlau ist und im Kopf rechnet – oder man sich einen Taschenrechner zur Hilfe nimmt, hieße das: Wir haben –5 Minuten Zeit zum Umsteigen, also gar nüscht!

Tja, und so bekamen wir noch vor der Landung Bescheid, dass wir bereits umgebucht seien, auf einen Flug am nächsten Morgen. Mir gingen sofort Bilder von Fluggästen durch den Kopf, die auf einer Bank im Flughafen schlafen und auf ihren Flug warten. Aber wir mussten uns „nur“ an das Bodenpersonal wenden.

Leider gibt es von diesem Bodenpersonal mehr als genug, sodass wir erst mal den richtigen Schalter suchen mussten, um Näheres zu erfahren.

Endlich saßen wir im Taxi und wurden nach Unterschleißheim (oder war es Überschleißheim?) bugsiert. Unser Gepäck konnten wir nicht mitnehmen. Dafür bekamen wir ein sexy survival kit von Lufthansa! Echt nett.

Dolce Vita in München

Das Dolce Hotel München, wo wir übernachten sollten, sah im Dunkeln ganz normal aus. Aber der erste Eindruck täuschte! Da hatten wir doch Glück gehabt. Als wir endlich unser Zimmer beziehen konnten, war die ganze Müdigkeit erst mal verflogen und wir nutzten den ganzen Luxus so richtig aus!

In der Riesendusche ließen wir uns vom Riesenduschkopf beregnen, mit dem Wasserkocher in der Schublade kochten wir uns Tee und der Fernseher wurde den ganzen Abend voll ausgenutzt! Das Programm und der aufregende Tag sorgten aber dafür, dass uns irgendwann die Müdigkeit packte und wir wie die Babies schlummerten – zumindest die ersten fünf Minuten! Immer wenn ich mich bewegte, reagierte neben mir ein Bewegungsmelder, der ein Lämpchen anschaltete. Eigentlich nett gedacht, damit man sich nicht die Zehen an der Bettkante ramponiert, wenn man die Toilette besuchen möchte, aber auch nicht richtig durchdacht!

Naja, nach einer nicht so ganz erholsamen Nacht kam der Shuttleservice und holte „die Lufthansa Leute“ (wir waren nicht die einzigen) ab und brachte uns zum Flughafen.

Endlich auf nach Italien

Der Flug nach Ancona klappte zwar problemlos, man hätte sich auch über das Englisch der Stewardessen beäumeln können, aber irgendwie war die Stimmung nicht sooo gelöst. Das lag sicherlich auch den unglaublich hochmotivierten, immer lächelnden und überaus mega-super-hyper-freundlichen Stewardessen, die nie eine Flappe zogen. (Falls jemand es noch nicht gemerkt hat…das war IRONIE).

In Ancona gelandet, fuhren wir vom Flugzeug aus unglaubliche fünf Meter mit einem Bus über den Flughafen, wobei das Besteigen der Bussen zehn Minuten dauerte …

Es ist übrigens Dienstag!

Am Flughafen wurden wir von Bundestrainer Thomas Liese abgeholt und wir fuhren gut eine Stunde bis zum Hotel. Dabei konnte man genauestens einen Italiener von einem Nicht-Italiener am Fahrstil unterscheiden.

Unser Hotel lag mitten auf einem Berg in der Stadt Ripatransone, ein richtig süßes Örtchen mit der angeblich schmalsten Gasse Italiens (43 cm). Wir haben sie nie gefunden!

Nach dem Mittagessen bezogen wir unser Zimmer … leider nicht so komfortabel wie das im Dolce Hotel.

Ab auf’s Rad! Oder so ähnlich …

Nachmittags ging es dann auch gleich aufs Rad. Berg runter, Berg rauf und wir waren inAcquaviva, dem Ort, in dem das Zeitfahren starten sollte.
Wir fuhren auf unseren Zeitfahrrädern die Strecke ab bis nach Offida, dem Zielort.

Dort erwischte uns dann auch gleich der erste italienische Regenschauer und ich konnte mich an keine einzige Kurve der Strecke erinnern, es gab einfach zu viele!!!

Schnell hopsten wir ins Auto und der Herr Liese musste leider noch mal raus, um die Räder aufs Dach zu schnallen. Wir entschieden uns ins Tal zu fahren, wo es mehr oder weniger trocken war.

Regen-Programm

Unser Programm sah so aus:

  • raus aus dem Auto auf die Räder und fünf Kilometer EB – Regen.
  • rein ins Auto, Räder aufs Dach, andere Richtung, bis es trocken war
  • raus aus dem Auto, ab auf die Räder – Bremse fliegt ab –  Regen.
  • Suche nach einem kleinen Bolzen, der die Bremse zusammenhält -zwecklos…
  • rein ins Auto, Rad auf’s Dach, Sarah-Lena einsammeln, die unter einem Baum zusammengekauert auf besseres Wetter wartete –  zwecklos  – Regen.
  • Rad aufs Dach, andere Richtung, bis es trocken war
  • raus aus dem Auto, wieder auf’s Rad (ich auf mein Straßenrad), wieder EB über fünf Kilometer – Regen.
  • ab ins Auto, Räder auf’s Dach, andere Richtung bis es trocken war
  • raus aus dem Auto, ab auf’s Rad, EB über fünf Kilometer – Regen.
  • ab ins Auto, Räder aufs Dach und zurück zum Hotel!

Im Hotel gab es nach dem Duschen dann eine Massage … schööön!
Dann ging es zum Abendessen und aufs Zimmer, wo man früher (ich) oder später (Sarah-Lena) einnickerte!

Fortsetzung folgt …

 

Mein zweites Bundesligarennen

Mein zweites Bundesligarennen – Eigentlich im Saarland, aber auch irgendwie in Frankreich

Am Samstag, dem 24. April 2010 ging es los!

Um 08:30 Uhr trafen wir uns wieder einmal in Köln bei Peter, ich musste zum Glück nicht wieder so früh aufstehen, ich habe in Düsseldorf bei meinen Großeltern übernachtet.
Auch wenn eine gewisse Feindschaft zwischen Düsseldorf und Köln herrscht, gab es keine ernsten Auseinandersetzungen zwischen meiner aus Düsseldorf stammenden Mutter und alt eingesessenen Kölnern, die im Team mitwirken!

Um etwa 11:30 Uhr kamen wir im Saarland an. Vor einem unscheinbaren Haus wartete schon Viviens Mutter sehnsüchtig darauf, uns vier Mädels und nicht zu vergessen Peter, ohne Bezahlung zu verwöhnen. Das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen und übergaben ich doch noch einen Gutschein.
Auch Vivien hat scheinbar viel von den gastfreundschaftlichen Genen ihrer Mutter geerbt und präsentierte uns gleich zwei leckere Nutellakuchen, die wir natürlich gleich mit großer Hingabe verspeisten.
Maurice, der kleine Bruder von Vivien kochte sehr guten, man kann auch sagen sehr starken Kaffee, sodass Peter nur eine Tasse trinken musste, um wieder voll auf dem Laufenden zu sein.

Gemütliches Kaffekränzchen

Beim gemütlichen Kaffeekränzchen auf der Terrasse der Großeltern, lernte ich auch gleich den Hund Danny, von der Rasse Shih-Tzu und den Tollpudel, dessen Namen ich nie erfahren habe, aber dessen Geräusche mir immer im Ohr bleiben werden, kennen.
Außerdem losten wir noch die Zimmer aus: Rebecca und ich schliefen im Keller in Viviens Zimmer und Jessika und Christina im Zimmer von Maurice, der kurz nach unserer Ankunft Reißaus genommen hat.

Mit vollem Bauch fuhren wir dann, nachdem wir uns umgezogen hatten, zur Rennstrecke, die etwa eine halbe Stunde von dem Haus der Familie Schmidt entfernt lag, zur Vorbelastung.
In einer schön breiten Doppelreihe gurkten wir im niedrigsten G1-Bereich die 14 km lange und ziemlich hügelige Rennstrecke drei mal ab.
Jessika und mir fiel gleich der schöne Ortsname „Rammelfangen“, der am Ende des drei Kilometer langen Anstiegs lag, auf. Und ich machte mir so meine Gedanken zur Entstehung dieses Ortes.
Zur Vorbelastung drückten wir uns einmal die ansteigende Zielgerade hoch, da merkte ich, dass diese sich ziemlich hinzog.

Als wir fertig waren, entdeckte ich einen kleinen schwarzen Streifen auf meiner Hand, bei näherer Betrachtung erkannte ich, dass es eine winzige Raupe war, die sich voller Anmut bewegte, aber wahrscheinlich mit riesiger Angst versuchte, den entzückt guckenden Monstern, die wir darstellten, zu entkommen. Die arme Raupe ist nun wahrscheinlich in der Waschmaschine, da sie irgendwann auf meinen schwarzen Armling gekrochen ist und ich sie nicht mehr entdecken konnte. Somit kann man auch ausschließen, dass Raupen vorausschauend denken können.

Bevor wir zurückfuhren, erledigten wir noch eine wichtige Sache: Einmal über die französische Grenze fahren, sich freuen, dass man in Frankreich ist und wieder zurückfahren!

Als wir wieder bei Vivien waren, wurde uns gleich angekündigt, dass Mani, der Fotograf mit Leib, Seele und vielen Objektiven, um 17:00 Uhr ankommen würde, um mit uns neue Teamfotos zu schießen.
Also sprangen wir schnell unter die Dusche und machten uns hübsch, damit Mani später nicht so viel retuschieren muss!
Bei strahlendem Sonnenschein gab es dann also ein Fotoshooting im von Maurice frisch gemähten Garten.
Als wir nach einigen hundert Fotos, auf denen Teilweise ein behaartes Lebewesen namens Danny zu sehen war, fertig waren, wartete schon ein riesiger Pott Nudeln auf uns.

Mit lustigem Spaghettibesteck machten wir uns also an die von Vivien aufgefüllten Portionen…sie hat es ja nur gut gemeint mit den ordentlich vollen Tellern.
Diese waren wahrscheinlich auch das Geheimnis unseren Erfolges am Sonntag…!
Nach einer sehr gut überstandenen Nacht und einem unsanften Weckgeräusch des Radios, gab es um 06:00 Uhr Frühstück. Dabei konnte man super müde Gesichter beim Kauen von Brötchen beobachten!

Um 07:00 Uhr war Abfahrt zur Rennstrecke

Dort angekommen waren wir gleich die ersten beim Einschreiben, dafür sollte es auch mal Prämien geben, wäre leicht verdientes Geld.
Um 08:25 Uhr und nach einigen Toilettengängen, war Beginn des Rollenprogramms…für mich das erste Mal!

Also hier, für alle, die es wissen wollen, der Ablauf:
1. Aufsteigen, wäre ja schon mal nicht schlecht…
2. Zehn Minuten G1
3. Zehn Sekunden Sprint
4. Zwei Minuten G1
5. Zehn Sekunden Sprint
6. Einmal gequält gucken fürs Foto
7. Zwei Minuten EB
8. Sechs Minuten G1
9. Absteigen und Schweiß abwischen

Um 08:45 Uhr waren wir fertig mit dem Rollenprogramm und allmählich wurde die Aufregung unerträglich.
Um 09:00 Uhr war Start des Rennens der Senioren, gleich danach, um 09:05 Uhr folgte der Start unseres Rennens, zusammen mit den Frauen.

Das Rennen

In der ersten Runde war das Fahrerfeld noch geschlossen und Jessika, Vivien und Christina konnten sich gut im Feld halten, Rebecca, die immer noch mit ihren schmerzenden Knien kämpft, war hinter mir, sodass ich nicht sagen kann, wo sie war, ich bin ja nicht Woldemord.
Ich kam irgendwie auch nicht so gut zurecht, immer fiel ich nach hinten zurück.
Deshalb war ich auch froh, als es in der zweiten Runde eine Attacke gab, dadurch bildeten sich die Spitzengruppe, dahinter die Gruppe, der ich angehörte und danach die Gruppe mit Vivien, Jessika und Christina.
In der dritten Runde überfielen mich schreckliche Gedanken wie: „Warum tust du dir das an?“, „Ich steig bald aus, ist doch alles sch*****“!, oder „Die sind doch ehe alle besser als du!“. Diese leistungszerstörenden Gedanken konnte ich zum Glück mit einer Ladung moralisch aufbauendem, nach Banane schmeckendem Gel wegpusten.

Bald sprach mich ein ehemaliges SRM-Teammitglied an, es seien nur noch fünf Juniorinnen im Feld, dem ich angehörte. Das brachte mir ein Lächeln ins Gesicht, denn nach langen fünf Minuten kam ich zu dem Schluss, dass ich also sechste werden könnte und dass Leistungssport nicht gerade Konzentrationsfördernd ist.
Am Ende der vierten Runde zog ich mir noch eine Packung Gel rein, kann ja nicht schaden… .
Und dann war es auch schon soweit, die Zielgerade war vor Augen, da war ich aber aufgeregt…

Ziemlich am Ende des Feldes kam ich aus der Abfahrt und versuchte mir den Weg durch lautes Rufen frei zu machen, die Frauen fuhren auch zur Seite und schon hatte ich nur noch zwei Juniorinnen vor mir. Dass ich Janina Brückner und Pia Weber auch noch überholen konnte, hat mich nach 70 Kilometern auf und ab auch gewundert, aber so war es eben… .

Jetzt hatte ich meinen Lohn dafür, Dopingkontrolle, viel Papierkram und 90 ml Urin später sah ich endlich meine Teamkameradinnen wieder, Jessica ist auf Platz 10, Christina auf dem 11ten Platz, Vivien ist auf dem 15ten Platz und Rebecca auf Platz 23. Durch diese tollen Platzierungen ist unser Team das zweite der Gesamtwertung und ich erschreckender Weise Gesamtführende… Jetzt darf ich ein gelbes Trikot tragen, eigentlich eine Ehre andererseits kann mich jeder auf Anhieb erkennen… Tja, Radsport eben!

Duschen hier eigentlich nur Basketballer?

Nach der Siegerehrung konnte ich endlich duschen, es war schließlich richtig warm gewesen und entsprechend habe ich geschwitzt.
Doch bevor ich zum Duschen kam musste ich, also größte im Duschraum noch für alle anderen das Wasser andrehen, da die Kräne an der Decke hingen, anscheinend duschen dort eigentlich nur Basketballer.
Wir bekamen noch zwei leckere Stücke Kuchen und dann fuhren wir auch schon wieder ab.
Jessika ist mit einer Bekannten aus ihrem Verein nach Hause gefahren, also hatten wir schön viel Platz im Auto.

Nach drei Stunden Fahrt, eingeschlossen ein 20minütiges Nickerchen von Peter, kamen wir um 17:00 Uhr in Köln an. Auf der Autofahrt zum Bahnhof habe ich meine ersten Erfahrungen mit einem I-Phone gemacht… . Ich, als unglaublich Handyfanatisches Lebewesen, fand die ganze Technik in dem Ding viel zu kompliziert, das Gleis, auf dem mein Zug abfuhr habe ich dennoch herausgefunden, Gott sei Dank!
Im ICE hatte ich keine Sitzplatzreservierung, da ich meinen Zug eine Stunde früher, mit Reservierung, verpasst hatte. Tja und so fand ich mein Glück auf dem Boden, eingeklemmt zwischen Radtasche, Koffer, Rucksack und Pokal. Als ich der Schaffnerin anstatt meiner Bahncard auch noch meine Lizenz gab, wusste jeder, dass ich Radsportlerin bin.

Ich war froh, als ich in Bielefeld ankam und mir jemand beim Tragen half, denn mir tat schon einiges weh.
Um 20:10 Uhr war ich endlich zu Hause und knallte mich auch gleich in mein Bettchen!
So war es, meine zweites Bundesligarennen, man bedenke, dass ich nicht gestürzt bin!

von Mieke Kröger