Ein Hallo aus der Karibik

Liebe Leute,

ich glaube, ich bin Euch eine Erklärung schuldig … ich habe ja schon lange nicht mehr berichtet, obwohl doch durchaus viel passiert ist in letzter Zeit!
Des Öfteren habe ich zwei drei Sätze getippselt … aber so richtig gefallen hat mir das nicht … also habe ich es lieber wieder gelassen … bis zum heutigen Tag … heute schreibe ich euch … trotz Schleudertrauma und Muskelkater in den Unteramen. Aber dazu später mehr 😉

Wie schon erwähnt, ist in den letzten Wochen eine Menge passiert … nach meinen zwei wunderhübschen EM Titeln bestritt ich einen katastrophalen Weltcup in Bochum, doch ich ließ mich davon erstmal nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen … schließlich kam ich gerade von der Bahn und bin seit 1,5 Monaten kein Straßenrennen mehr gefahren.
Es folgte eine noch katastrophalere Albstadtrundfahrt, darüber verliere ich besser kein Wort mehr 😉

1_Y1I5395Zu dieser Zeit wusste ich schon, dass ich das Zeitfahren bei der Straßen WM bestreiten darf, doch nach diesen wirklich untermiekischen Leistungen begann ich zu grübeln, ob das wirklich eine so gute Idee ist, dort anzutreten … also wurde nach ein paar schlimmen Trainingseinheiten die Notbremse gezogen und jeglicher Sport wurde mir untersagt.

Dann passierte erstmal nix … durfte ja nix machen …

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stand ich nach meiner Zwangspause auf der Startrampe des Prologzeitfahrens der Lotto Belisol Tour. Ich hatte Hummeln im Hintern und wollte mal wieder schnell Rad fahren, also tat ich dies und wurde zehnte. Diese Platzierung war eine Wohltat für meine geschundenen Nerven.
Auf den nächsten Etappen war ich richtig heiß darauf, mir weh zu tun, fuhr Sprintwertungen an, ging Attacken am BERG mit und leitete Verfolgungsjagten ein. Ich musste schließlich, hinsichtlich auf das WM Zeitfahren, das ich dann doch wieder bestreiten wollte, einige Trainingseinheiten und Intensitäten nachholen.

Überaschenderweise fuhren wir im Teamzeitfahren sogar auf den dritten Rang! Das fetzt, das sag ich euch!!!

Und plötzlich war alles wieder in Butter …

2_D1Y2111Ich flog mit den zwei Juniorinnen Lisa Klein und Franziska Banzer zur Straßen WM. Bzw. wir flogen nach Bilbao, dort wurden wir vom Bundestrainer mit Anhang eingesammelt und dann fuhren wir 400 km zur Straßen WM.
Dass es am Ende nur 340 km sein würden, hatten wir dem (un)glücklichen Zustand zu verdanken, dass unser schon seit einem Jahr gebuchtes Hotel nun doch keine Zimmer mehr für uns frei hatte.
Mit der Zwischenunterkunft war ich happy, die beiden Mädels eher weniger … es war eine Burg (wohl eher ein Nachbau) … und es war sehr kalt auf der Burg. Ich mag ja Abenteuer und das Essen war gut!

Dass wir am nächsten Tag doch in das unmittelbar an der Strecke liegende Hotel einziehen durften war aber auch nicht schlecht … man braucht ja nicht immer Abenteuer 😉
Die Zeit verging, mein Pumpernickelvorrat schrumpfte, meine Lust auf Schokolade stieg rasant und der Wettkampf rückte näher. Das Problem mit der Schokolade löste ich übrigens sehr schnell 😉

Die Wettkampfvorbereitungen liefen optimal … nur das Klo im Bus war kaputt … aber sonst alles tutti!

Dann stand ich auf der Startrampe, der Kommissar streckte mir seine fünf Finger ins Gesicht, dann waren es noch vier, drei, zwei, ein … jetzt darf ich los!
Booaar! Ihr glaubt gar nicht, wie die ersten Kilometer gefetzt haben! Das rollte einfach so weg …
Nach der Hälfte kam dann der Part, vor dem ich große Angst hatte … die große, lange Straße!

In dem Moment als ich um die Kurve bog fiel mein Funk aus … Schade eigentlich, denn die Musik, die mein Trainer mir einspielen wollte, blieb mir verwehrt. Die Beifahrer im Auto hatten umso mehr davon 😉
Ich muss zugeben, der Spaß nahm von Kilometer zu Kilometer ab … aber so sollte das, glaube ich, sein im Zeitfahren …

3_L7L1002Nach langer Zeit alleine auf der großen, langen Straße kam der Berg. Ich wusste, da muss ich alles geben … die letzten paar Meter zum Ziel schaffe ich danach auch noch.
Die zwei Juniorinnen am Straßenrand feuerten mich heftigst an und mein Trainer schaltete das Megafon ein. Weh tat es trotzdem! Oder vielleicht gerade deswegen …
Am Berg habe ich übrigens auch das erste Mal gehört, dass ich auf gutem Kurs war, den Heißen Stuhl zu besetzen. Das spornte mich noch mehr an!

Im Ziel ging nichts mehr … alles tat weh

Ich saß tatsächlich auf dem Heißen Stuhl bei der Zeitfahr WM der Großen!!! Und das sogar relativ lange …
Am Ende durfte ich am Katzentisch der Viertplazierten platznehmen … für mich ein Grund zur Freude.

Nach der WM hatte ich Zeit, ein paar Tage auszuspannen, ehe es weiter ging nach Cottbus zum Bahnlehrgang, in Vorbereitung auf die Elite-Europameisterschaften auf der Bahn in der Karibik!

Auf Guadeloupe mussten wir erstmal einen krassen klimatischen Schock verarbeiten … das Training lief schwer und am ersten Trainingstag auf der Bahn (ohne Dach) hatten wir nur knapp 10 qm Schatten …für alle!
Als dann weitere Pavillons dazu kamen, wurden diese von einem heftigen Regenguss, inklusive starker Windböen, prompt wieder weg gepustet … aber ich will mich nicht beschweren! Ich habe diese Abkühlung sehr genossen!

Am Wettkampfabend für die Mannschaftsverfolgungs-Quali war die Sonne zum Glück schon untergegangen und der Vierer lief so gut, dass wir die viertbeste Zeit einfuhren. Am nächsten Tag durften wir also die zweite Runde gegen die Briten bestreiten … diese verloren wir, zugegebener Maßen, erwartungsgemäß. In der dritten Runde wurde ich dann durch Anna ersetzt, da ich an diesem Tag meine Leistung nicht wirklich abrufen konnte.
Am Ende besiegten wir die Franzosen im Rennen um Platz 5 und 6 und hatten damit unser Ziel, die Top 5, erreicht.

4_L7L3330Als nächstes stand für mich noch die Einerverfolgung auf dem Programm. Durch meine mäßigen Leistungen in der Mannschaftsverfolgung, wollte ich wenigstens in der Einerverfolgung meine Leistung zeigen. Eine Zeit von 3:51 Minuten in der Quali klingt zwar jetzt nicht sehr schnell, doch auf dieser 333m Betonbahn musste ich mich doch ziemlich dafür anstrengen. Und die Anstrengung wurde überraschenderweise mit dem Einzug in das große Finale belohnt.

Vor dem Finale war ich nicht mehr so aufgeregt … die Medaille war sicher. Mir ging es nochmal darum, mich ordentlich gegen die Britin Katie Archibald, welche im Vorlauf vier Sekunden schneller war, zu wehren. Und ich strängte mich mächtig an, ihr den Sieg nicht leicht zu machen 😉
Meinen Rückstand von vier Sekunden im Vorlauf, konnte ich im Finale halbieren. Mit meiner Zeit von 3:42 Minuten kann ich auch recht zufrieden sein.

Am nächsten Tag, als fast alle anderen Nationen ihren Rückflug nach Europa antraten, durften wir einen Tag Urlaub machen … Gudrun und ich traten also einen Kampf mit dem Bananaboat an. Wir verloren ziemlich deutlich mit 4 eher unsanfteren Landungen im karibischen Meer … daher auch mein leichtes Schleudertrauma … 😀 aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht!

So, ich bleibe noch bis Samstag hier auf Guadeloupe, ehe wir den Weiterflug nach Guadalajara (über Miami und Mexico City) in Angriff nehmen werden. Das heißt Kraft tanken fürs Radkofferschleppen!

Bis dann mal!
Eure Mieke

 

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